Erklärung

30. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 20:17

Das Schuljahr ist rum und unsere Azubine bringt ihr Zeugnis mit in den Laden.

Pflanzenkunde 2, handwerkliche Verarbeitung 1, Sport 2, Betriebswirtschaft 3, Kunst 1… sieht alles ganz gut aus. Bis auf: Mathe 5

Das erklärt sie so: Wir machen da aber auch nur blöde Sachen. Das versteht kein Mensch. Und wozu muss ich eine Wurzel ziehen können, wenn ich nur wissen muss wieviel Erde in sonen Blumenpott geht?!

against the world

26. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg, In Eigener Sache — sarah @ 18:10

Ob es eine gute Idee ist, der eigenen Chefin mal zu sagen, wie verarscht man sich von ihr fühlt und wie entäuscht man von ihrem asozialen und unkollegialen Verhalten ist?

Wahrscheinlich nicht. Aber ich hab hier ganz düstere Gedanken. Ohja. Schon seit Montag und es ist keine Besserung in Sicht. Nein, eigentlich wirds nur noch schlimmer.

Wäre ich emotional instabil, würde ich mit Vasen werfen. Wäre ich prinzipientreu, hätte ich eine Kündigung geschrieben. Wäre ich so wie ich bin, würde ich die letzten 96 Tage absitzen abstehen und nichts sagen.

Wah, manchmal mag ich mich nicht.

Verdammt

20. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 16:26

Wir haben eine wirklich uralte Kundin, die gehbehindert ist. Und sehr nett. 3-4 mal im jahr ruft sie bei uns im Laden an und gibt eine Großbestellung auf. Wir fahren dann mit dem Transporter voll mit verschiedenen Pflanzen und Blumen zu ihr und sie sucht sich die Sachen die ihr gefallen aus.

So auch gestern. Ich fahre zu ihr beladen mit 2 Rosenstämmchen, 3 Hortensien, 2 Orchideen, einem Strauß, einem Türkranz und einem Orleander. Sie begutachtet alles und sucht sich einen Rosenstamm, eine Hortensie, eine Orchidee aus – den Strauß und den Kranz wollte sie zusätzlich sowieso haben. Frau Altmann kann nur schwer laufen, weswegen ich ihr die Pflanzen in die Wohnung und auf den Balkon trage, sie in Übertöpfe stelle, den Kranz aufhänge und auch den Strauß mit Wasser versorge. Sie bedankt sich überschwänglich und ich hole meinen Rechenblock raus, um die Preise zusammenzuzählen.

131,40 Euro rechne ich aus und Frau Altmann zählt die Scheine auf den Tisch. 140 gibt sie mir – der Rest ist für “uns”. Für die Mühe und vielen Dank. Ich danke ihr auch und will gehen – in der Tür hält sie mich am Arm fest und steckt mir noch eine Menge Kleingeld zu. “Das ist für Sie, aber nur für Sie! Sie machen hier ja die ganze Arbeit, also stecken Se sich das mal ein und sagen den anderen aber nichts!” sie zwinkert mir zu. Öhm ja, vielen Dank. Ich stecke das Geld ein, bedanke mich nochmal und gehe. Draußen schaue ich nochmal nach – 12 Euro hat sie mir geschenkt. Wirklich großzügig.

Im Laden erkundigt sich die Chefin wie es gewesen ist – ich erzähle für welche Pflanzen sich Frau Altmann entschieden hat, lege die 131,40 in die Kasse und stecke die restlichen 8,60 in unser Trinkgeldschwein. Von “meinem” Trinkgeld sage ich nichts.

Alles nicht weiter erwähnenswert – wenn die Chefin nicht durch Zufall die Rechnung durchgegangen wäre und gesehen hätte, dass ich mich um ganze 10 Euro verhauen habe. Verdammt blöd, sowas darf mir eigentlich nicht passieren. “Nun, dann rufen wir Frau Altmann halt nochmal an und sagen ihr das. Können wir ja beim nächsten mal mit auf die Rechnung schreiben!” Verdammtverdammt. Die Sache ist mir total unangenehm – es kommt mir ziemlich unverschämt vor, der alten Frau nun nochmals 10 Euro abzunehmen, bei dem großzügigem Trinkgeld, das sie dem Laden und mir gegeben hat. Dazu kommt ja noch, dass meine liebe Chefin nichts von meinem Extratrinkgeld weiß.

Ich versuche die Situation zu retten: “Sie hat ja auf 140 aufgerundet, dann wären ja an sich nur 1,10 offen…” Die Chefin denkt einen Moment nach “Naja, sie hatten aber ja die ganze Arbeit damit und Lieferspesen berechnen wir bei ihr ja auch nie. Hmhm. Naja, sie haben eigentlich recht.”

Schwein gehabt. Hätte wirklich Ärger gegeben, wenn Frau Altmann am Telefon auf ihr großzügiges Trinkgeld verwiesen hätte – das ich ja wissentlich verschwiegen habe.

Aber nu… was hätt ich machen sollen? Frau Altmann hat die 12 Euro ja ausdrücklich mir gegeben – und dem Rest vom Laden auch einen nicht kleinen Betrag gespendet. Da hatte ich eigentlich kein schlechtes Gewissen nichts davon zu erzählen. Da wusste ich aber auch noch nichts von meinem Rechnungs-faux-pas.

Entlohnung

12. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 18:38

Eigentlich teilen wir uns das Trinkgeld. Wir haben ein Schwein, in dem alles landet und zu gegebener Zeit schütten wir es aus. Dann bekommt jeder seinen Teil. Brüderlich geteilt also. Ab und an gehen wir auch zusammen essen oder es wird eine Runde Eis geschmissen.

Die 5 Euro die ich heute fürs Umtopfen eines gefühlt 400kg schweren Buxbaumes bekommen habe, sowie die 2 Euro die mir zugesteckt wurden nachdem ich im strömenden Regen 4 Sträuße mit dem Fahrrad transportiert und ausgeliefert habe, hab ich aber mal für mich behalten.

Frau Neel III

11. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 11:32

Frau Neel spricht seit dem Vorfall kein Wort mehr mit mir. Ich versuche schon gar nicht mehr sie zu bedienen – rennt sie doch ignorierend an mir vorbei und schreit nach der Chefin. Meine Kollegen findens lustig, ich nehm es so hin. Mich muss nicht jeder mögen und andersrum genauso. Zumal die Situation schon eine bizarre Komik hat – Frau Neel wartet lieber 20 Minuten stehend im kalten Laden, bis die Chefin Zeit hat, als sich ihre 4 Blumen von mir tüddeln zu lassen. Ist die Chefin nicht da und ich alleine im Laden, geht sie einfach wieder. 83 Jahre ist die Dame nun übrigens.

Vor einiger Zeit kam sie dann wieder – die Auszubildene und ich alleine im Laden. Zähneknirschend nahm sie hin, dass Chefin nicht da war und ließ sich von meiner Kollegin bedienen.

“Ich habe eigentlich nur eine Frage: meine Nachbarin hat mit eine Anthurie geschenkt, weil ich ihre Blumen gegossen habe als sie im Urlaub war. Und nun weiß ich nicht… die bekommt braune Blätter!”
- “Nun, Anthurien vertragen überhaupt keine Staunässe. Zwar müssen sie feucht gehalten werden, aber im Topf darf kein Wasser stehen. Hell am Fenster ist gut und vorallem warm. Zugluft verträgt sie nicht. Die braunen Blätter klingen nach einem Nässeschaden.”
erklärt unsere Azubine.
“Zu nass ist die ganz sicher nicht! Ich weiß doch wie man gießt! Nene.”
- “Muss ja nicht bei Ihnen passiert sein. Die Pflanze stand bestimmt ein paar Tage im Geschäft. Wissen Sie, wo ihre Freundin die gekauft hat?”
“Bei Extra! Die haben da ganz schöne stehen.”
- “Bei Extra arbeiten ja keine Floristen. Vielleicht hat ein Mitarbeiter die Pflanzen falsch gegossen, weil er es nicht besser wusste. Wenn sie sie nun aber gut weiter pflegen, sollte sie sich wieder erholen.”
“Ja, ja. So muss das sein. Also bei mir kann das nicht passiert sein, ich weiß ja wie man gießt. Also dankeschön. Wiedersehen!”

Soweit, sogut. Wo der Schaden passiert ist, sei dahingestellt. Im Zweifelsfalle, und besonders bei solchen Kunden, schiebt man die Schuld auf andere, damit der Kunde sich nicht bloßgestellt fühlt.

Nun wäre das nicht weiter erwähnenswert, wenn Frau Neel nicht einige Tage später wieder im Laden stand – diesmal mit einer toten Anthurie unterm Arm, die sie meiner anderen Kollegin auf den Tresen knallt und sich darüber erbost, dass die Pflanze eingegangen ist.

Grund dafür seie, dass sie bei UNS übergossen wurde. Da habe wohl einer unserer Mitarbeiter mal gar keine Ahnung gehabt.

Meine Kollegin hält Rücksprache mit der Chefin, entschuldigt sich bei Frau Neel und gibt ihr eine neue Anthurie mit. Zwar wissen wir alle, dass die mitgebrachte und ziemlich tote Pflanze ganz sicher nicht von uns stammt (weder der Topf, noch die Pflanzengröße passen mit unseren zusammen), aber wenn die Chefin meint…

Ich bin jedenfalls froh, dass ich mich mit dieser ziemlich frechen Kundin nicht mehr rumärgern muss.

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