Verdammt

20. Juni 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 16:26

Wir haben eine wirklich uralte Kundin, die gehbehindert ist. Und sehr nett. 3-4 mal im jahr ruft sie bei uns im Laden an und gibt eine Großbestellung auf. Wir fahren dann mit dem Transporter voll mit verschiedenen Pflanzen und Blumen zu ihr und sie sucht sich die Sachen die ihr gefallen aus.

So auch gestern. Ich fahre zu ihr beladen mit 2 Rosenstämmchen, 3 Hortensien, 2 Orchideen, einem Strauß, einem Türkranz und einem Orleander. Sie begutachtet alles und sucht sich einen Rosenstamm, eine Hortensie, eine Orchidee aus – den Strauß und den Kranz wollte sie zusätzlich sowieso haben. Frau Altmann kann nur schwer laufen, weswegen ich ihr die Pflanzen in die Wohnung und auf den Balkon trage, sie in Übertöpfe stelle, den Kranz aufhänge und auch den Strauß mit Wasser versorge. Sie bedankt sich überschwänglich und ich hole meinen Rechenblock raus, um die Preise zusammenzuzählen.

131,40 Euro rechne ich aus und Frau Altmann zählt die Scheine auf den Tisch. 140 gibt sie mir – der Rest ist für “uns”. Für die Mühe und vielen Dank. Ich danke ihr auch und will gehen – in der Tür hält sie mich am Arm fest und steckt mir noch eine Menge Kleingeld zu. “Das ist für Sie, aber nur für Sie! Sie machen hier ja die ganze Arbeit, also stecken Se sich das mal ein und sagen den anderen aber nichts!” sie zwinkert mir zu. Öhm ja, vielen Dank. Ich stecke das Geld ein, bedanke mich nochmal und gehe. Draußen schaue ich nochmal nach – 12 Euro hat sie mir geschenkt. Wirklich großzügig.

Im Laden erkundigt sich die Chefin wie es gewesen ist – ich erzähle für welche Pflanzen sich Frau Altmann entschieden hat, lege die 131,40 in die Kasse und stecke die restlichen 8,60 in unser Trinkgeldschwein. Von “meinem” Trinkgeld sage ich nichts.

Alles nicht weiter erwähnenswert – wenn die Chefin nicht durch Zufall die Rechnung durchgegangen wäre und gesehen hätte, dass ich mich um ganze 10 Euro verhauen habe. Verdammt blöd, sowas darf mir eigentlich nicht passieren. “Nun, dann rufen wir Frau Altmann halt nochmal an und sagen ihr das. Können wir ja beim nächsten mal mit auf die Rechnung schreiben!” Verdammtverdammt. Die Sache ist mir total unangenehm – es kommt mir ziemlich unverschämt vor, der alten Frau nun nochmals 10 Euro abzunehmen, bei dem großzügigem Trinkgeld, das sie dem Laden und mir gegeben hat. Dazu kommt ja noch, dass meine liebe Chefin nichts von meinem Extratrinkgeld weiß.

Ich versuche die Situation zu retten: “Sie hat ja auf 140 aufgerundet, dann wären ja an sich nur 1,10 offen…” Die Chefin denkt einen Moment nach “Naja, sie hatten aber ja die ganze Arbeit damit und Lieferspesen berechnen wir bei ihr ja auch nie. Hmhm. Naja, sie haben eigentlich recht.”

Schwein gehabt. Hätte wirklich Ärger gegeben, wenn Frau Altmann am Telefon auf ihr großzügiges Trinkgeld verwiesen hätte – das ich ja wissentlich verschwiegen habe.

Aber nu… was hätt ich machen sollen? Frau Altmann hat die 12 Euro ja ausdrücklich mir gegeben – und dem Rest vom Laden auch einen nicht kleinen Betrag gespendet. Da hatte ich eigentlich kein schlechtes Gewissen nichts davon zu erzählen. Da wusste ich aber auch noch nichts von meinem Rechnungs-faux-pas.

9 Kommentare »

  1. Dann darf aber auch keiner von Deinem Blog erfahren oder ihn zufällig finden :roll:

    Kommentar von Carsten — 20. Juni 2009 um 20:11

  2. … vor allem keiner vom Finanzamt :D

    Kommentar von NewsShit! — 23. Juni 2009 um 23:10

  3. @NewsShit: Das darf das Finanzamt ruhig erfahren. Trinkgelder sind nämlich steuerfrei. Ich bin mir jetzt auf Anhieb nicht sicher, ob sie in einer Steuererklärung trotzdem angegeben werden müssen, aber es ist auf jeden Fall mal keine Steuerhinterziehung, wenn man’s nicht macht.

    @Sarah: Ich glaube nicht, dass die alte Dame sich am Telefon auf das zusätzliche Trinkgeld berufen hätte. Sie hat ja schließlich selbst gesagt, du sollst den anderen nichts sagen.

    Kommentar von Marco — 24. Juni 2009 um 10:24

  4. Was ist das für ein komischer Laden, in dem niemand von deinem Trinkgeld erfahren darf? Wenn ein Kollege Trinkgeld bekommt, ziehe ich doch keinen Flunsch, weil er mir davon nichts abgibt – er hat die Arbeit geleistet und damit ist das sein Trinkgeld. Punkt.

    Kommentar von Onkel Hotte — 24. Juni 2009 um 17:35

  5. eigentlich ne interessante frage. die paar euro die man ansonsten als trinkgeld bekommt, sind ja nicht der rede wert.
    aber ab ner bestimmten größe müssen schenkungen doch besteuert werden…?
    ansonsten könnte man erbschaftssteuern im vorfeld doch gut umgehen.

    Kommentar von sarah — 25. Juni 2009 um 20:46

  6. @marco:
    ja, an sich nicht. aber man weiß ja nie… am ende steh ich noch als undankbare und klauende praktikantin da :skeptisch:

    Kommentar von sarah — 25. Juni 2009 um 20:49

  7. @Sarah: Naja, in der Tat, wenn aus dem Trinkgeld eine Schenkung wird (die Grenzen sind sicherlich schwer zu definieren, aber wenn ein Kellner, der nur eine Tasse Kaffee bringt, 10.000 € Trinkgeld bekommt, dann wird man davon ausgehen können, dass das nicht als Dank für die nette Bedienung war, sondern ein Geschenk), dann kann in der Tat Erbschaftsteuer (so heißt die Schenkungsteuer) anfallen. Aber da gibt es auch noch Freibeträge in Höhe von mindestens 20.000 Euro, diese kann man alle 10 Jahre ausnutzen.

    Kommentar von Marco — 26. Juni 2009 um 16:49

  8. wir haben einen kunden, der alle paar monate sehr große sträuße kauft. beim bezahlen rundet er immer auf den nächstgrößeren schein auf – bei zb 28 euro gibts dann nen fünfziger für uns.
    das würde ich schon als schenkung ansehen, weil es ja nicht in relation steht, bzw nicht im üblichem rahmen.
    aber so oder so – das geld wechselt immer in bar den besitzer und wird am ende für eis ausgegeben. da käme das finanzamt gar nicht hinter.
    wobei es eigentlich mal interessant wäre zu zählen, was wir im jahr so an trinkgeld einnehmen.
    ich kann ja ab jetzt eine eis-strichliste führen :grin:

    Kommentar von sarah — 26. Juni 2009 um 17:56

  9. I am not really fantastic with English but I get hold this rattling leisurely to read.

    Kommentar von emailing et newsletter — 11. Oktober 2011 um 21:48

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