Das ist doch kalt

25. Mai 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 20:43

Unsere Blumen lagern im Kühlraum. Das hat einen einfachen Grund: draußen ist es warm und das tut den Blumen nicht gut.

Vorhin kam eine Kundin rein – kurzes Röckchen, offene Schühchen mit kleinen Riemen.

“Guten Tag…”
- “Hallo! Ich hätte gerne einen Strauß… was haben sie denn so da?”
“Wir haben gerade frische Ware bekommen. Wenn sie mir einmal in den Kühlraum folgen wollen…?”
- “Kühlraum? Nee, das ist da doch kalt!”

Ich lächele. Wie immer. Denn den Spruch bringen wirklich fast alle Kunden. Ich gehe langsam vor und will der Dame den Weg zeigen – doch die bleibt tatsächlich wie angewurzelt stehen und bewegt sich keinen Zentimeter. Ich gucke etwas schief. Sie schaut mich erwartungsvoll und etwas genervt an.
“Nungut… wir haben lange rote Rosen, kurze rote Rosen, ganz tolle pinke aus Ecuador, zartrosane, gelbe… Lilien, Bartnelken, gefüllte Gerbera in rosa und gelb, Minigerbera in rot und gelb, große in weiß und orange…”
- “Das sagt mir alles nichts…”

Ach, wie ich solche Kunden mag. Also anders…
“Soll das ein Geschenkstrauß werden? Zu welchen Anlass? Dame oder Herr…?”
- “Ja, ein Geburtstagsstrauß für eine Freundin.”
“Gut… dann würde ich sagen ein schöner kurzer, sommerlich in rot-gelb?”
- “Ich weiß nicht… können sie mir nicht etwas zeigen?”
“Sie können mir gerne einmal folgen, dann können wir zusammen schauen was Ihnen gefällt…”
- “Dahin? Also ne… das ist doch kalt.”

Ja, ich mag sie wirklich gerne. Ich gehe alleine in den Kühlraum und suche etwas aus, wovon ich denke dass es ihr gefallen könnte und zeige es ihr.
- “Hmm. Also hmmm. Ne. Hmm. Was haben sie noch so in gelb?”
“Diese Rosen hier haben wir noch in gelb und in einem ganz tollen orange-gelb. Ansonsten Gerbera in groß und klein, Goldlack, Sonnenblumen…”
- “Hmm. Nehmen sie die roten da mal weg. Dafür eine Sonnenblume. Und irgendwas blaues.”
Nochmal in den Kühlraum, wieder zurück mit neuen Blumen.
“Soo… zu der Sonnenblume würde ich Ihnen diese Rosen vorschlagen. In blau hätte ich diese Veronica. Zum Auflockern könnte ich Ihnen Frauenmantel zwischenbinden und großzügig mit Aralienblättern unterlegen. Sehen sie? Dann macht der Strauß auch viel mehr aus als er eigentlich kostet.”
- “Was kostet das denn so?”
“Bei ca 12 Euro sind wir nun.”
- “Ich weiß nicht. So ganz zufrieden bin ich nicht… haben sie nicht noch irgendwas anderes?”

Seufzend gehe ich nochmal in den Kühlraum. Das sind übrigens jedesmal ca 10 Meter die ich hin und wieder zurücklaufe. Diesmal nehme ich aber aus so ziemlich jeder Vase etwas mit.
“Ich könnte ihnen auch etwas langes aufbinden…”
Ich zeige ihr Lilien, alle möglichen Rosen, die Exoten… zeige ihr kleine runde Sträuße, große, ausladende, lang aufgebundene… und gehe über zu Gestecken und Orchideen im Topf.
Der Frau gefällt einfach nichts. Sie ist genervt. Und will sich dann alleine umschauen.
Ich lasse sie laufen und räume währenddessen die zich Blumenstengel weg die die ganze Zeit auf dem Tresen rumdümpeln, weil sie ihr alle nicht gefallen haben.

Wieder kommt sie mit einer kleinen Margharite im Topf. Für 2,95.

“Als Geschenk verpackt!”
- “Gerne. Dafür muss ich Ihnen aber 50 Cent extra berechnen.”
“Was? Ne. Dann nicht.”

Tja… dann halt nicht.
Vielleicht lag es gar nicht an den Blumen oder meinen Vorschlägen. Vielleicht wollte sie einfach nicht mehr als 2,95 ausgeben. Um auf eine warme Jacke zu sparen :???:

Keine Kommentare »

  1. Ich hab meine Kunden nur am Telefon. Ich ziehe dann Grimassen, bringe meine Kollegen zum lachen, bleibe schön freundlichst, und werfe hinterher den Hörer auf und brülle Arschloch. Das hält meinen Pegel auf relativ gleichwertigem Level und ich bin beim nächsten Anruf dann wieder schön freundlich. Aber im persönlichen Kontakt würd ich früher oder später einem Kunden an die Gurgel gehen für sowas…..

    Kommentar von Katarina — 25. Mai 2009 um 22:40

  2. Hehe, das kenne ich doch aus meiner aktiven Blumenladenzeit… nur war da der Kühlraum im Keller. Gehts dir gut…! :-P

    Kommentar von BrokenSpirits — 26. Mai 2009 um 13:49

  3. @katarina:
    es gab auch schon so einige kunden, bei denen ich explodiert bin. da fällt mir ein… eigentlich wollte ich da noch eine geschichte zu erzählen :roll:
    wenns mir wirklich zu anstrengend wird, gebe ich die kunden auch gerne an meine chefin weiter. soll die sich doch mit den doofen kunden rumärgern ^^

    @brokenspirits:
    sie sind florist? bisher dachte ich, sie wären passionierter fotograf und musiker ;)
    unseren kühlraum gibt es auch noch gar nicht so lange. ich habe die kellerzeiten zwar nicht mehr miterlebt, aber nach diversen zerstörten vasen hatte meine chefin die schnauze voll und hat den kühlraum bauen lassen.
    so ganz kellerlos sind wir aber dennoch nicht – die draußenwaren, die nicht mehr auf den hof passen, müssen paletten – und bankweise steile stufen runtergehieft werden :roll:

    Kommentar von sarah — 26. Mai 2009 um 14:36

  4. @sarah: nein, florist bin ich nicht, aber irgendwie muß man sich ja über Wasser haltenn ;-) So hatte ich dann einige Zeit einen Aushilfsjob für ein paar wenige Stunden in der Woche. Ist aber schon einige Jahre her, aber ich kann mich noch guut daran erinnern: ich war nämlich der Depp, der in so einer Situation die treppen rauf und runter rennen durfte. Bei mir kam allerdings noch dazu, daß ich von den ganzen Blumennamen wenig Ahnung hatte, und so einige Wege öhm, ja, sozusagen unnötig waren :lol:

    (kommt übrigens nicht oft vorm, daß ich gesiezt werde…. komme mir gerade steinalt vor *gg*)

    Kommentar von Broken Spirits — 26. Mai 2009 um 18:23

  5. das siezen resultiert nur aus dem respekt jemandem gegenüber, der seine zeit im blumenladen heile überlebt hat :D
    für die kunden scheint es vielleicht immer so, als hätten wir den ganzen tag gute laune, arbeiten mit schönen dingen und trinken den rest der zeit tee.
    aber ne… hinter den kulissen gehts schon recht ruppig zu. son misch aus großküche und baustelle ^^

    Kommentar von sarah — 27. Mai 2009 um 12:28

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