An ein oder fünf Stellen hab ich wohl erwähnt, dass ich am Wochenende auf einer Hochzeit im Schwabenländle eingeladen war. An sechs oder zehn Stellen hab ich erwähnt, dass ich aus dem hohen Norden komme. Wir waren also so einige Stunden unterwegs, bis wir angekommen sind.
Die Fahrt war lang. Sehr lang. Eigentlich noch länger. Aber eine Erfahrung wert. Ich bin zum ersten mal bewusst durch die Kasseler Berge gefahren. Da hat es sich Baustellenbedingt etwas gestaut, war aber zu verkraften. Bis Würzburg konnten wir dann auch so durchrauschen – bis gar nichts mehr ging. Ein bisschen Verkehrsfunk später wussten wir, dass wir mitten in einer Vollsperrung der Autobahn wegen eines Unfalles standen. Eine Stunde später fuhr der Leichenwagen an uns vorbei. 1,5 Stunden später fuhr er wieder zurück. Diesmal langsamer. Und 2 Stunden später konnten wir dann auch weiterfahren.
Nachts gegen 1 kamen wir dann nach bald 10 stündiger Fahrt in unserem Hotel in der schwäbischen Alb an. Geplant war 22 Uhr Ankunft – die Dame musste ich dann leider Gottes aus dem Bett klingeln. Ich war aber so müde, da war mir das dann auch egal. Geschlafen haben wir wie tot bis zum Frühstück.
Was man als Nordlicht ja so gar nicht kennt, sind Berge. Sehr beeindruckend wie sich die Straßen in Schlangenlinien hochschlängeln. Steinschlaggefahr, keine einzige Laterne. Und rechts bzw links neben dir gehts ganz schön steil runter.
Das Hotel lag ziemlich weit oben, recht idylisch gelegen und hübsch gemacht. Als ich unser Zimmer gesehen hab, hab ich gedacht wir hätten ein falsches bekommen. Gebucht hatten wir eigentlich das 40 Euro Standartdoppelzimmer, welches sich dann aber als recht groß und komfortabel mit angenehmen Betten, Fernseher, Sitzecke, Sofa, Tisch und Balkon herausgestellt hat. Für das Geld bekommt man sowas hier nicht – aber die ganze Sache war auch so abgelegen, dass die sich über jeden Gast der sich dorthin verirrt, freuen können.
Am nächsten Morgen sind wir dann nach dem Frühstück ins Dorf gefahren und haben uns ein wenig umgesehen. Die Kirche, in der die Trauung stattfinden sollte war ganz hübsch – von Außen jedenfalls.

Von Innen war sie nichts besonderes. Ich stehe ja eigentlich total auf diese schönen Mosaikfenster und alte Holzschnitzereien, wie es sie oft in katholischen Kirchen gibt. Diese war aber wohl evangelisch (obwohl die Schwaben doch auch eher Katholiken sind?) und recht schlicht gehalten.
Gefallen hat mir hingegen, dass dort alles so schön grün und gepflegt ist. Die Häuser sind alle makellos gestrichen und sauber und eigentlich jeder Balkonkasten ist wunderbar mit Geranien bepflanzt.

Eigentlich fand man an jeder Ecke ein schönes Detail – sogar der Metzger hat sich Mühe gegeben.

Die Trauung an sich war… ganz nett. Der Pastor hat für meinen Geschmack etwas lange gepredigt und ich kannte keines der Lieder die gesungen werden mussten wurden. Ansonsten war es aber ganz schön – anstelle der Orgel gab es einen Flügel auf dem eine Frau gespielt und gesungen hat. Das merke ich mir mal – fand ich ganz gut.
Zurück fuhren wir dann im Autokorso – ohne Gehupe. Ich kenn das aus dem Norden so, dass man ordentlich Krach macht, damit auch alle wissen dass geheiratet wird. Die Schwaben sind aber ein wenig anders, wurde mir so gesagt. Also fuhren wir dann still zum Gasthof.
Was dann folgte, kennt man ja. Mehr oder weniger. Die Schwaben sind halt ein wenig anders – wurde mir so gesagt. Anstelle der Hochzeitssuppe mit Nudeln und Eistich gab es eine schwäbische Festtagssuppe, auch Flädle (Flät? Fleet? irgendwas) -Suppe genannt. Das sind kleingeschnittene Pfannkuchen in Brühe mit ein bisschen was dazu. Hab ich so auch noch nie gegessen – war aber genießbar.
Kuchen, Kaffee, Sektempfang. Salatbar, Hauptgang. Der sah so aus:

Hat auch gut geschmeckt – war nur etwas viel. Zuvor hab ich ja schon Kuchen, Suppe und Salat gestopft. Aber naja. Eine Grundlage muss ja her. Wobei die eigentlich gar nicht so notwendig war – die Schwaben sind halt ein wenig anders, wurde mir so gesagt. Da wird auf Hochzeiten nicht so viel gesoffen wie hier und auch nicht so lange gefeiert. Also gab es Bier und Wein und zuende war die ganze Sache dann auch schon gegen 2 Uhr. Wobei die Einheimischen schon lange vorher gegangen waren – der harte Kern waren dann doch die Bremer.
Da die Trauung aber schon am frühen Nachmittag war und es dann ohne Pause weiterging, hat es dann auch gereicht und wir sind müde ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag noch ein gemeinsames Frühstück mit den Gästen die mit uns im Hotel übernachtet haben und es ging wieder gen Heimat. Die Rückfahrt war auch bedeutend angenehmer als die Hinfahrt – kein Stau und wir könnten ein wenig von der Umgebung sehen. Stuttgart ist zb ein sehr schönes Städtchen. Da könnte man eigentlich nochmal mit ein wenig mehr Zeit hinfahren.
Sowieso wäre ein etwas längere Aufenthalt ganz schön gewesen – die Ecke dort unten hat mir doch sehr gefallen, auch wenn ich kein schwäbisch verstehe.
