Trauerflora

26. März 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg, wiederwasgelernt — sarah @ 20:13

Ein Beitrag beim Bestatter Tom hat mich zum Nachdenken gebracht.

Es geht darin um die Frage, weshalb Bestatter Trauerflora anbieten bzw wieso die Kunden sie eher dort kaufen, als in einem Blumenladen.

Nach Aussage meiner Chefin, war vor 30 Jahren das Geschäft mit Kränzen und Gestecken die größte Einnahmequelle. 30 Gestecke und Kränze haben sie täglich in Bestellung gehabt. Grabpflege, Pflanzschalen, Sträuße für die Friedhofsvasen. Dazu kam das Geschäft mit Grablichtern und Kerzen.

Mittlerweile siehts da ziemlich mau aus. 1-2 Trauergestecke haben wir in der Woche, vielleicht ein mal im Monat einen Trauerkranz.
Das liegt zum einen daran, dass wir nicht in direkter Umgebung eines Friedhofes ansässig sind und zum anderen sterben uns die Kunden die wert auf so etwas legen, weg. Wenn man das so sagen kann.

Wenn wir Trauerflora in Auftrag bekommen, kommen diese meistens von unseren älteren Stammkunden. Solche Damen und Herren, die schon ewig bei uns kaufen und noch zu der Sorte Mensch gehören, die zu einer Einladung einen Blumenstrauß als Präsent mitbringen. Oder regelmäßig Blumen zu Geburtstagen, Hochzeitstagen oder sonstigen Anlässen verschenken.

Jüngere Kunden kaufen erfahrungsgemäß eher impulsiv und nicht geplant. Sie gehören zur Laufkundschaft, kommen rein, sehen sich um und wählen einen fertigen Strauß – gerne mit Exoten oder “gestylt” wie der Florist sagt.

Ältere Kunden würden niemals eine Strelizie verschenken. Da kann die noch so schön aufgebunden sein. Sie wählen ihre Sträuße mit bedacht, kennen die Bedeutung von Blumen und die Vorlieben des zu Beschenkenden.

Und so handhaben sie es auch mit Trauergestecken und Kränzen. Sie kommen zu uns, weil sie unseren Laden kennen und wissen wie wir arbeiten. Sie wissen genau was sie haben möchten, geben viel Geld aus. Soll ihnen ja niemand nachsagen können, sie hätten sich nicht vernünftig um die Blumen gekümmert.
Sie bestellen und gehen zufrieden und mit dem Gefühl wieder hinaus, ihren Beitrag geleistet zu haben.

Jüngere Kunden geben eher selten Trauerflora in Bestellung. Und wenn, dann sind sie ziemlich ratlos – kennen sich nicht aus, äußern wenn überhaupt einen wagen Farbenwunsch. Haben keine Preisvorstellung und wissen nicht welcher Text auf die Trauerschleife soll. Das ist natürlich nicht schlimm – wir sind ja da um zu beraten und Hilfestellung zu leisten. In der Regel nehmen sie auch unseren ersten Vorschlag an, bezahlen und gehen mit dem Gefühl die lästige Blumensache endlich erledigt zu haben.

Bei diesen Kunden ist es also naheliegend, dass sie die Blumen eher direkt beim Bestatter bestellen und sich damit einen Weg sparen. Zumal sie den Blumen eh nicht so die Bedeutung zuweisen, wie es ältere Kunden tun. Sie sind einfach froh, wenn sie jemanden haben der sich um alles kümmert. Das hat nicht unbedingt etwas mit Faulheit oder Bequemlichkeit zu tun – ist jemand aus dem nahen Familienkreis verstorben, ist die Trauer oft groß und die jenigen befinden sich in einer Ausnahmesituation.

Die Trauerfloristik ist mit den Jahren also zu einem eigenen Zweig geworden. Nicht umsonst sind viele Gärtnereien direkt neben Friedhöfen oder Bestattungsinstituten angesiedelt und leben nur davon. Vor einer Weile war ich in einer eben solchen hier in der Nähe und ich habe nicht schlecht gestaunt. Dort sind bestimmt 12 Floristen/Gärtner rumgelaufen und der Kühlraum war bis oben hin voll mit Trauerflora.

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